Es gibt kein Medium, das so breit und komplex ist wie das Videospiel. Vor rund fünf Monaten hat das Video Game Museum Zürich seine Tore geöffnet – mit Erfolg wie das grosse positive Echo zeigt. Die Besucher erleben dort eine Zeitreise in die Welt der Games und der virtuellen Räume. Gründer und CEO Rogier Keemink möchte damit einen Ort schaffen, an dem Generationen gemeinsam aktuelle Gaming Kultur erleben können.

Das GamePlaza – Video Game Museum Zürich hat am 3. Oktober 2025 seine Türen geöffnet. Welche Resonanz haben Sie bis jetzt erhalten?
Rogier Keemink: Die Resonanz ist überwältigend positiv. Wir erhalten viel Zuspruch von Familien, Schulklassen, Firmen und Gaming Fans aller Generationen. Viele Besucher sind überrascht, wie emotional, interaktiv und lehrreich Videospielgeschichte sein kann.
Sie haben das Video Game Museum Zürich gegründet. Welche Idee steckt dahinter?
Die Idee war, Videospiele als Kulturgut sichtbar zu machen. Nicht nur zum Anschauen, sondern spielbar. GamePlaza verbindet Nostalgie, Technikgeschichte und aktuelle Gaming-Kultur und schafft einen Ort, an dem Generationen gemeinsam entdecken.
Sie sind selbst mit der Welt der unterschiedlichsten Video Games bestens vertraut und auch ein leidenschaftlicher Sammler von Video Games. Wann sind Sie das erste Mal mit Video Games in Berührung gekommen und was waren Ihre ersten Erfahrungen damit?
Ich kam als Kind erstmals mit Arcade Automaten und frühen Konsolen in Berührung. Diese Mischung aus Technik, Spiel und sozialem Erlebnis hat mich sofort fasziniert und mich bis heute begleitet.
Was fasziniert Sie besonders an Video Games und haben Sie ein Lieblingsspiel?
Mich fasziniert, wie Videospiele Emotionen, Kreativität und Lernen verbinden. Mein persönliches Lieblingsspiel ist The Legend of Zelda: A Link to the Past. Es steht exemplarisch für zeitloses Game Design, starke Spielmechaniken und immersive Spielwelten.
Geben Sie einen kurzen Einblick in die Ausstellung: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Die Besucher erleben eine spielbare Zeitreise von den 1970er Jahren bis heute. Arcade -Automaten, Konsolen, Flipper, VR Stationen und erklärende Steckbriefe zeigen technische Entwicklung und kulturelle Bedeutung von Games.
Wie hat sich die Videospielkultur in den letzten Jahren entwickelt?
Videospiele haben sich vom Nischenhobby zum wichtigsten Unterhaltungsmedium entwickelt. Heute sind sie sozial, kreativ und kulturell relevant und prägen unseren Alltag nachhaltig.

Games sind nicht nur Unterhaltungsmedien, sondern haben noch ganz andere wichtige Funktionen in Kultur, Bildung und Industrie. Welche Bedeutung haben sie ausserhalb des Unterhaltungssektors?
Games werden in Bildung, Medizin, Industrie und Forschung eingesetzt. Sie fördern Motivation, Lernen und Training und helfen, komplexe Inhalte verständlich und zugänglich zu machen.
Sie selbst haben gesundheitsorientierte Videospiele entwickelt. Können Sie hier ein paar Beispiele nennen, wo man Videospiele therapeutisch einsetzen kann und welche Bedeutung sie im Gesundheitssektor haben?
Ich habe therapeutische Spiele sowie passende Hardware entwickelt, die Bewegung, Koordination und Motivation fördern. Diese Systeme werden unter anderem in der Rehabilitation und Therapie eingesetzt und verbinden physisches Training mit spielerischem Feedback.
Wann stärkt Gaming die mentale Gesundheit?
Gaming kann die mentale Gesundheit stärken, wenn es bewusst eingesetzt wird. Spiele können Stress abbauen, soziale Kontakte fördern und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Entscheidend ist ein ausgewogenes Mass.
Wie sehen Sie die Rolle von Gaming im schulischen Umfeld und wann können sie dort gewinnbringend eingesetzt werden?
Im schulischen Umfeld können Games Lernprozesse unterstützen, etwa durch Simulationen, Problemlösungsaufgaben oder kreative Projekte. Richtig eingesetzt fördern sie Motivation, Teamarbeit und Medienkompetenz.
Videospielen sind das dominierende Unterhaltungsmedium des 21. Jahrhunderts. Wann wird Gaming jedoch problematisch?
Problematisch wird Gaming bei Kontrollverlust, oder wenn andere Lebensbereiche leiden. Wichtig sind Aufklärung, Begleitung und ein reflektierter Umgang, besonders bei Kindern und Jugendlichen.
Ein besonderes Merkmal von GamePlaza ist der ausgeprägte familiäre Charakter des Museums. Können Sie das kurz erklären, welche Idee dahintersteckt?
GamePlaza ist bewusst generationsübergreifend gestaltet. Eltern, Kinder und Grosseltern spielen gemeinsam, tauschen Erinnerungen aus und erleben Gaming als verbindendes Kulturerlebnis.
Haben Sie ein Rahmenprogramm oder Sonderausstellungen?
Wir bieten Events, Turniere, Workshops, Geburtstagsfeiern sowie Angebote für Schulklassen an. Zusätzlich haben wir eine Serious Games Sektion integriert, in der gesundheitsorientierte Videospiele gezeigt werden, darunter ein System zur Unterstützung bei Rückenschmerzen. Ergänzt wird dies durch wechselnde Sonderformate zu Spielen, Technologien und Medienkompetenz.
Was bringt uns die Entdeckung virtueller Räume und die Gamification des Alltags?
Virtuelle Räume eröffnen neue Formen des Lernens und Erlebens. Gamification steigert Motivation und hilft, komplexe Prozesse spielerisch verständlich darzustellen. Auch im Alltag fördert sie einen gesunden Lebensstil, etwa durch Apps wie Strava, die sportliche Aktivität mit spielerischen Elementen verbinden.
Wie beurteilen Sie Chance und Gefahren von KI?
KI bietet grosses Potenzial für Kreativität, Bildung und Medizin und kann auch die Entwicklung und Programmierung von Videospielen unterstützen. Gleichzeitig braucht es klare ethische Leitplanken, damit Technologie verantwortungsvoll, transparent und menschzentriert eingesetzt wird.
Was wünschen Sie sich für GamePlaza, haben Sie noch weitere Projekte geplant?
Ich wünsche mir, dass sich GamePlaza als fester kultureller Ort etabliert. Geplant sind der Ausbau von Bildungsangeboten, neue Kooperationen mit Schulen und Institutionen, weitere interaktive Formate sowie langfristig zusätzliche GamePlaza Standorte.
Interview: Corinne Remund
Interaktive Videospiel-Museen
GamePlaza ist ein interaktives Museum für Videospiele in Zürich, Schweiz, mit historischen und modernen Spielautomaten, an denen Jung und Alt die Geschichte und die Zukunft der Videospiele erleben können. Für einen Eintrittspreis von 22 Franken für Erwachsene und 19 Franken für Kinder kann jeder zwei Stunden lang kostenlos spielen. Das Museum bietet zudem Angebote für Geburtstage, Schulklassen und Firmenanlässe in einer sicheren, familienfreundlichen Umgebung.



